Traditionelles Handwerk wird wieder lebendig
In Rysstad im Setesdal ist der Bau einer neuen Stabkirche geplant. Das Projekt hat zum Ziel, die Kirche auf die alte Weise zu errichten, mit traditionellen Techniken und Materialien. Dazu gehört unter anderem der Einsatz von Pferd, Schmied und Axt statt moderner Maschinen. Eine solche Bauweise wurde in Norwegen seit 800 Jahren nicht mehr angewandt. Die Umsetzung des Projekts wird den Kulturtourismus im Setesdal deutlich stärken und zu mehr Wachstum und Besuchern beitragen.
1000 Menschen im Einsatz
Die Stabkirche ist ein kulturhistorisches Bauprojekt, das darauf abzielt, Wissen und Kompetenz im traditionellen Handwerk zu bewahren und weiterzuentwickeln. Die Setesdal Stabkirche wird bereits während der Bauphase eine Attraktion sein, mit Beteiligung sowohl von Schülerinnen und Schülern der weiterführenden Schulen als auch von Fachleuten. Es ist geplant, dass insgesamt rund 1000 Personen am Bau beteiligt sein werden.
Die Stabkirche entsteht als Teil eines umfassenden Dokumentations und Entwicklungsprojekts, das sich mit norwegischer Baukunst und immateriellem Kulturerbe befasst. Das Projekt ist in lokalen und nationalen Fachmilieus verankert, und seine Umsetzung wird den Kulturtourismus im Setesdal deutlich stärken.
Museum, Kulturarena und Bildungsbau
Nach Abschluss der Bauphase soll die Stabkirche als Museum und Bildungsbau weitergeführt werden und zugleich als Kulturbühne für Aufführungen sowohl lokaler als auch nationaler darstellender Kunst dienen.
Das Gebäude wird nicht geweiht. Das bedeutet, dass es nicht durch eine formelle kirchliche Handlung als heiliger Raum eingeweiht wird, sondern für andere Zwecke genutzt werden kann. Es wird auch möglich sein, das Gebäude für private Zeremonien zu mieten.
Das Projekt wird während der gesamten Bauzeit für Besucher geöffnet sein und als Attraktion dienen. Während der Bauarbeiten werden Tätigkeiten wie Schmiedearbeit, Holzschnitzerei und das Anpassen von Baumstämmen stattfinden, die das Publikum aus nächster Nähe beobachten kann. Dies gibt den Besuchenden wertvolle Einblicke in die Stabkirche als eine bedeutende archäologische und historische Quelle.
Das Hylestad Portale als wichtigste Quelle
Das Setesdal ist bekannt für seinen Reichtum an Kulturdenkmalen. Menschliche Aktivität in diesem Tal ist fast durch die gesamte Vorgeschichte dokumentiert, von der frühen Steinzeit bis in die jüngere historische Zeit. Es wird vermutet, dass die Stabkirche in Rysstad um das Jahr 1175 errichtet wurde, doch dies ist nicht sicher. Die wichtigste Quelle aus dieser Zeit sind die Hylestad Portale. Diese Portale bildeten den Eingang der alten Stabkirche und sind mit geschnitzten Szenen aus der Sage von Sigurd Fåvnesbane verziert. Sigurd ist eine heldenhafte Gestalt in germanischer und nordischer Tradition, und die Motive haben heidnischen Ursprung.
Auf der rechten Portalbohle ist die Geschichte Sigurds in Medaillons geschnitzt, wie wir es aus Manuskripten, Gemälden und dekorativen Elementen aus englischen und französischen Werken des späten 12. Jahrhunderts kennen. Auf der linken Portalbohle gehen die Motive stärker ineinander über und zeigen Ausdrucksformen, die aus der Textilkunst bekannt sind, unter anderem aus dem Osebergschiff.
Die Hylestad Portale, die in der Setesdal Stabkirche rekonstruiert werden sollen, gelten als die bekanntesten Portale des norwegischen Mittelalters. Das Motiv der heutigen Ein Kronen Münze stammt von diesen Portalen, und sowohl der frühere Fünfzig Kronen Schein als auch frühere Briefmarken zeigten Motive der Hylestad Portale. Die Originalportale befinden sich heute im Historisk Museum in Oslo.

Rekonstruktion der Stabkirche von Borgund
Georadarscans des Gebietes in Bjørgum, wo die Hylestad Stabkirche früher stand, haben genaue Maße geliefert, die die Grundlage für die Rekonstruktion bilden. Die neue Stabkirche wird als prozessual authentische Rekonstruktion der Stabkirche von Borgund errichtet. Die Bauzeichnungen basieren auf Scans des NIKU, die detaillierte Informationen über Dimensionen und mögliche verborgene Konstruktionselemente liefern.
Großes internationales Interesse
Die Setesdal Stabkirche soll im Jahr 2029 oder 2030 fertiggestellt werden, doch die Baustelle hat bereits internationales Interesse geweckt und Besucher aus dem Ausland angezogen, sowohl Touristen als auch Medien. Das Interesse aus dem Ausland ist erheblich und nimmt weiter zu.




